Interviews

6. Juli 2008 / NZZ am Sonntag / Seite 48 / Peter Jegen

«Es muss für mich und Salieri stimmen»Die Schweizer Dressurreiterin Silvia Iklé hat auf Olympia verzichtet. Mit harscher Kritik kann sie gut leben.

(…) Das hat grosse Wellen geworfen.
Das stimmt. Durch meine Weltranglistenposition – zu Jahresbeginn lag ich an 3. Stelle – wurde das Ganze in den Medien aufgegriffen. Es wurde nicht überall verstanden, dass jemand mit einer solchen Ausgangslage die Startmöglichkeit an Olympischen Spielen fahren lässt. Natürlich habe ich mich mit dem Entscheid schwergetan. Ich habe mich lange damit auseinandergesetzt, habe mich gut informiert, um letztlich einen fundierten Entscheid treffen zu können. Es muss für mich und mein Pferd stimmen. (…)

(…) Es gibt aber nicht nur Spekulationen. Ihr Olympia-Verzicht wurde in einem offenen Brief von Schweizer Dressur-Exponenten auch harsch kritisiert.
Die Dressurszene in der Schweiz ist klein. Darin vertreten alle ihre eigenen Interessen, was unweigerlich zu Konflikten führt. Ich muss betonen, dass ich das nicht kommentiere. Denn ich akzeptiere die Entscheide anderer, so wie ich aber auch erwarte, dass meine Entscheide akzeptiert werden. Und den Olympia-Verzicht habe ich für mich getroffen, damit auch einzig über Salieri, mein persönliches Eigentum, verfügt. Deshalb habe ich jetzt nicht viel Verständnis für diesen offenen Brief, der mich natürlich verletzt hat. Doch ich kann damit leben, weil ich auf meiner Website fast nur positive Zuschriften aus aller Welt bekam. Und jetzt stosse ich auch in Aachen auf viel Goodwill. Es wird hoch eingeschätzt und geachtet, dass der eigene Ehrgeiz nicht über das Wohl des Tieres gesetzt wird. Nur von den Briefschreibern in der Schweiz wird das nicht verstanden. Leider. (…)
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